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Mundstücke für Paetzold by Kunath Blockflöten

PbK Anblasstücke

PbK Tropfenfänger

Wie eine wunderbare Freundschaft beginnen kann

Kinder mit der Engelberger Fünftonflöte

Die Engelberger Fünftonflöte wird in zwei Stimmungen gefertigt. Sie ist speziell für den Einstieg auf Blasinstrumente entwickelt worden. So unterscheidet sie sich in den Maßverhältnissen der klangbildenden Bereiche deutlich von der Bauweise traditioneller Blockflöten, ohne jedoch deren Möglichkeiten der klaren Artikulation zu verlieren oder gar zu behindern.

Unverständlicherweise wird der Bereich der Artikulation oft vernachlässigt, obwohl es lange schon bekannt ist, dass der Ton die Musik macht. Und wie klingt eine Melodie, wenn sie aus nichts als gleichklingend gehauchten Tönen besteht? Unsere Sprache lebt ja auch durch die Farbigkeit der Artikulation. Und wenn wir Kindern zum Beispiel ein Märchen erzählen, setzen wir doch gerade all diese Schattierungen unserer Sprache ein, um die kleinen Zuhörer die Geschichte richtig erleben zu lassen. Wenn Musik in Kindern leben soll, ist es wichtig, dass sie von ihnen erlebt werden kann.

Es wäre auch nicht zu verstehen, dass in einem Alter in dem die Kinder das Artikulieren von Lauten (Sprache) bereits gelernt haben, diese Fähigkeit nicht für die Musik genutzt und weiterentwickelt werden sollte. Aus diesem Grund ist bei der Entwicklung und beim Bau jedes einzelnen Instrumentes größter Wert auf die Möglichkeit zur freien und breiten Artikulation gelegt worden. Da sich die Engelberger Fünftonflöte aber an Anfänger richtet, wurde der Tonumfang bewusst begrenzt, um eine Konzentration des Unterrichts auf die Grundlagen zu erreichen.

So werden die Kinder nicht durch einen, für sie nicht erfassbaren, großen Tonumfang von der Suche nach kleinen, sauber gespielten und nachfühlbaren Melodien abgelenkt.

Der Spielbereich umfasst so die 5 Töne d, e, g, a und h, die über die vier vorderseitigen Grifflöcher gespielt werden können. Das Instrument ist aus abgelagertem gewachstem Birnbaumholz hergestellt, und bei der Formgebung wurde auf die harmonische Abstimmung von geringem Gewicht und robuster Alltagstauglichkeit geachtet.

Joachim Kunath


Unsere Engelberger Fünftonflöte hat in voller Absicht nur 5 Töne. So ist sie einfach genug, um das Kind im ersten Schuljahr schon erleben zu lassen, dass seine große Willensanstrengung auch schöne Früchte trägt. Es ist wesentlich, dass jedes Kind zu diesem Erlebnis kommen kann, und das ist bei einem Instrument mit seinen nur vier Löchern durchaus gegeben.

Ein Anliegen war es uns auch, eine Flöte zu schaffen, durch die man genügend Luft entlassen kann, um damit die Ausatmung des Kindes zu stärken. Neigt nicht unsere Zeit dazu, möglichst nur noch einzuatmen? Doch die belebende Einatmung kann nur erfolgen, wenn zuvor kräftig ausgeatmet wurde; und wie glücklich ist das Kind, wenn es die eingeatmete Luft restlos im Klang verwandeln darf.

Von Anfang an achten wir darauf, dass die Zungenspitze zur Hervorbringung des Tones genutzt wird: sie ist unser Diener, der zur rechten Zeit dem Ton das Tor öffnet. Es ist bekannt, wie wesentlich die Laute D und T zur Entwicklung des kindlichen Denkvermögens sind (GA 307, Ilkley,8.8.1923).

Wenn man sie nun hier im musikalischen Strome pflegen kann, sollte man sich das nicht entgehen lassen. Das sind die äußeren Seiten der kleinen Flöte. Doch das Wesentliche ist: sie legt uns so wenig technische Schwierigkeiten in den Weg, dass wir am innersten Ansatz arbeiten können.

Also fangen wir an. Der Lehrer spielt natürlich immer vor, jede kleinste Übung, denn das Kind bedarf des Höreindruckes, der ihm dann zum Nachahmen verhilft. Mitunter brauchen wir lange, bis es gelingt, dass Ohr des Kindes zu erreichen, denn es ist verschlossen. So hatte sich der Säugling vor allem dem modernen Lärm geschützt, dem er oft ausgesetzt ist.

Doch uns muss es gelingen, dass unsere Kinder wieder lernen, wirklich hinzuhören. Der Lehrer lässt nun etwa die Töne miteinander sprechen und einander fragen: "Bist du da?". Das ist anders als wenn ich sage: "Nun spiele bitte dreimal den gleichen Ton." 
Durch die Hilfe dieses kleinen Satzes kann ich auch den melodischen Gedanken anregen zu strömen, sich zum Anderen hinzuwenden. So entsteht ein musikalisches Gespräch zwischen Lehrer und Schüler. Es kommt darauf an, stetig in innerer Bewegung zu bleiben und unsere Melodien, die sich uns immer wieder aus dem Unhörbaren heraus anvertraut, von einem Ton zum andern zu führen.

Für uns Erwachsene haben die Töne oft etwas Stehendes, für sich Seiendes - wir reihen sie aneinander. Doch wir helfen uns darüber hinweg, indem wir schnell spielen und uns auf diese Weise die Illusion einer Bewegung schaffen. Aber bleibt nicht unsere Seele manchmal völlig leer dabei?

Dem Kinde ist es eine greifbare Wirklichkeit, dass jeder Ton 2 Tore hat: das eine, zu dem die Melodie hereinkommt, das andere, zu dem sie wieder hinausgeht. Und unsere wunderbare, doch auch verantwortungsvolle Aufgabe ist es, dem Kind, das ja dem Ursprungslande noch so nahe ist, nicht nur das äußere Ohr zu erwecken, sondern auch das innere Ohr, mit dem es die unhörbare, die himmlische Gewalt der Musik wahrnimmt. Dessen bedarf das Kind, um genügend innere Substanz entwickeln zu können, die nachher trägt, wenn die schwierige Zeit kommt, in der so viele Angriffe von außen darauf zielen, den jungen Menschen an seiner Ich-Ergreifung zu verhindern.

Dorothea Hahn

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